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Parabeln

Auf dem Weg nach Athen, fragte ein Reisender den Fabeldichter Äsop: "Wie sind denn die Leute in Athen?"

Äsop fragte zurück: "Wie sind denn die Leute dort, wo du lebst?"

Der Mann antwortete: "Ich komme aus Argos. Die Menschen dort sind Taugenichtse, Lügner, Diebe, ungerecht und streitsüchtig."

Äsop meinte: "Du wirst auch in Athen die gleichen Leute finden."

Später stellte ein anderer Reisender Äsop die gleiche Frage, und auch von ihm wollte der Dichter zuerst wissen, wie die Menschen in seiner Heimat seien. Der Reisende antwortete: "Ich komme aus Argos, wo alle Menschen nett, freundlich, ehrbar und wahrhaftig sind."

Da lächelte Äsop und sagte: "Du wirst auch in Athen die gleichen Leute finden."

Aus dem alten Griechenland,
der Wiege der Demokratie

 

 

Es lebte einmal ein frommer und reicher Junggeselle, der sich selbst für glücklich hielt; nur sein Magen war nicht so stark, und er musste beim Essen auf vieles verzichten. Als er in hohem Alter im Sterben lag, betete er zu Gott, Er möge ihm im nächsten Leben einen starken, gesunden Körper schenken, auch wenn er dafür auf Reichtum verzichten müsste.

Tatsächlich wurde er mit einem starken, gesunden Körper in eine bitterarme Familie geboren und bekam nie genug zu essen. Als er am Verhungern war, sprach er in seinem letzten Atemzug zu Gott: "Was hat mir mein gesunder Körper genützt, wenn ich ihn nicht genügend ernähren konnte? Bitte, gib mir im nächsten Leben Gesundheit und Geld, dann werde ich wunschlos glücklich sein.

So geschah es. Doch wieder fehlte ihm etwas, nämlich ein Mensch, mit dem er sein Glück teilen konnte. Deshalb erbat er diesmal auf dem Sterbebett für das nächste Leben zusätzlich zu Gesundheit und Geld auch eine Frau, damit er nicht mehr so einsam wäre.

Sein Wunsch wurde auch dieses Mal erhört: Er heiratete eine schöne Frau. Doch bald zeigte sie ihr wahres Gesicht, das einer eifersüchtigen, nörgelnden, tyrannischen Frau, die ihn seiner Freiheit beraubte. Als er schließlich vor lauter Kummer im Sterben lag, betete er zu Gott, er möge ihm im nächsten Leben ausser Gesundheit und Geld eine gute Frau schenken.

Wieder kam Gott der Bitte des frommen Mannes nach. Seine Frau war die Güte und Liebe in Person, sie war treu und weise. Doch nach zwei Jahren glücklicher Ehe starb sie. Der Mann war untröstlich und verbrachte den Rest seines Lebens als Einsiedler. "Bitte, gib mir das nächste Mal nicht nur Gesundheit und Geld, sondernn auch eine gute Frau mit einem langen Leben!", bat er, als seine Zeit um war.

Es kam, wie er es sich gewünscht hatte. Nach 30 Jahren glücklicher Ehe verliebte er sich allerdings unsterblich in ein junges, hübsches Mädchen. Er liess sich von seiner Frau scheiden und heiratete die neue Liebe. Diese blieb so lange an seiner Seite, bis sie ihm all sein Geld abgenommen hatte und verliess ihn dann.

Da fand der Mann zu sich zurück und betete zu Gott: "Ich habe nur noch einen Wunsch: Lehre mich, in jeder Situation glücklich zu sein, ob reich oder arm, gesund oder krank, allein oder in Zweisamkeit .... Ich will nur noch Dich, und was Du mir gewährst."

Yogananda

 

 

Ein alter Rabbi fragte einst seine Schüler, wie man die Stunde bestimme, in der die Nacht endet und der Tag beginnt.

"Ist es, wenn man von weitem einen Hund von einem Schaf unterscheiden kann?", fragte einer der Schüler.

"Nein", sagte der Rabbi.

"Ist es, wenn man von weitem einen Dattel- von einem Feigenbaum unterscheiden kann?", fragte einer der Schüler.

"Nein", sagte der Rabbi.

"Aber was ist es dann?", fragten die Schüler.

"Es ist dann, wenn du in das Gesicht irgendeines Menschen blickst und darin deine Schwester oder deinen Bruder erkennst."

Talmud

 

 

Eines Tages kamen zu einem einsamen Mönch einige Menschen. Sie fragten ihn: "Was ist der Sinn von Stille und Meditation, für die Du und Deine Brüder stehen?"

Der Mönch war gerade mit dem Schöpfen von Wasser aus einem tiefen Brunnen beschäftigt. Er sprach zu seinen Besuchern: "Schaut in den Brunnen. Was seht ihr?" Die Leute blickten in den tiefen Brunnen und antworteten: "Wir sehen nichts!"

Der Mönch stellte seinen Eimer ab. Nach einer kurzen Weile forderte er die Leute noch einmal auf: "Schaut in den Brunnen! Was seht ihr jetzt?" Die Leute blickten wieder hinunter: "Jetzt sehen wir uns selbst!" "Ihr konntet nichts sehen" erwiderte der Mönch, "weil das Wasser unruhig war wie euer Leben. Nun aber ist es ruhig. Das ist es, was uns die Stille schenkt: man sieht sich selber!"

Dann gebot der Mönch den Leuten, noch eine Weile zu warten. Schließlich forderte er sie auf: "Und nun: Schaut noch einmal in den Brunnen. Was seht ihr?" Die Menschen schauten hinunter. "Nun sehen wir die Steine auf dem Grund des Brunnens." Da erklärte der Mönch: "Das ist die Erfahrung der Stille und der Meditation. Wenn man lange genug wartet, sieht man den Grund aller Dinge."

ZEN

 

 

Erleuchtung I

Kennst du die Geschichte von Banzan? Bevor er ein großer Zenmeister wurde, verbrachte er viele Jahre mit der Suche nach der Erleuchtung, aber sie entzog sich ihm. Dann eines Tages, als er auf dem Marktplatz ging, hörte er ein Gespräch zwischen einem Schlachter und seinem Kunden: "Gib mir das beste Stück Fleisch, das du hast", sagte der Kunde. Und der Schlachter antwortete: "Jedes Stück Fleisch, das ich habe, ist das beste. Hier gibt es nicht ein Stück, das nicht das beste ist." Als Banzan das hörte, wurde er erleuchtet.

Ich sehe, ihr wartet auf eine Erklärung. Wenn ihr das, was ist,

                                                                                                                            Eckhart Tolle

 

 

 

Erleuchtung im Alltag II

Kabir blieb sein ganzes Leben Weber. Selbst Könige waren seine Schüler. Sie sagten zu ihm: «Wir fühlen uns beschämt, dass du in deinem hohen Alter noch immer webst und zum Markt gehst, um deine Stoffe zu verkaufen. Das ist doch nicht nötig! Wir können dir alles verschaffen, was dein Herz begehrt.» ....

Kabir erwiderte: «Darum geht es nicht. Ich möchte die künftige Menschheit daran erinnern, dass selbst ein Weber erleuchtet sein und auch in seiner Erleuchtung weiter weben kann. Das gewöhnliche Handwerk eines Webers lenkt nicht von der Erleuchtung ab, im Gegenteil: Sein Weben wird sein Gebet. Was er auch tut, ist Ausdruck seiner Dankbarkeit gegenüber der Existenz. Er fällt der Erde nicht einfach zur Last, er gibt sein Bestes. Ich kann kein Bildhauer sein, ich kann kein großer Maler sein, aber ich kann voller Überzeugung sagen, dass keiner so weben kann wie ich. Ich webe mit jedem Atemzug voller Andacht und Dankbarkeit. Und die Stoffe, die ich herstelle, sind nicht nur zum Verkauf bestimmt, sondern auch, um Gott zu dienen, um der Existenz zu dienen, so wie ich es am besten kann.» ....

Das Hindu-Wort für Gott ist Ram. Kabir sprach jeden Kunden, der in seinen Laden kam, mit demselben Namen an: mit Ram. Er sagte: «Ram, ich habe für dich gewoben. Gib Acht, das ist kein gewöhnlicher Stoff. Jede seiner Fasern schwingt mit meiner Dankbarkeit, meiner Liebe, meinem Mitgefühl, meiner Andacht. Halte ihn in Ehren.»

                                                                                                                         Osho

 

 

 

Nur Samen

 

Eine Frau hatte einen Traum.

In diesem Traum besuchte sie einen Markt. Dort inmitten all der Stände traf sie an einem von ihnen Gott.

"Was verkaufst du hier?" fragte die Frau Gott.

Gott antwortete: "Alles, was das Herz begehrt."

Das konnte die Frau kaum glauben. Sie überlegte eine Weile und beschloss dann, das Beste zu verlangen, was sich ein Mensch nur wünschen konnte.

"Ich möchte Frieden für meine Seele und Liebe und Glück. Und weise möchte ich sein und nie mehr Angst haben," sagte die Frau zu Gott. "Und das nicht nur für mich allein, sondern für alle Menschen."

Gott lächelte. "Ich glaube, du hast mich missverstanden. Ich verkaufe hier keine Früchte, sondern die Samen."

 

 

Lernen aufzustehen

Wir lernen vieles ganz bewusst und vergessen dann, was wir lernen. Dann benutzen wir das Gelernte einfach als Fähigkeit. Ich zum Beispiel hatte einen unheimlichen Vorteil anderen gegenüber: Ich hatte Kinderlähmung gehabt und war vollständig gelähmt gewesen. Die Entzündung war so heftig, dass ich auch eine sensorische Lähmung hatte. Nur meine Augen konnte ich bewegen, und auch mein Gehör war nicht beeinträchtigt. Ich fühlte mich sehr einsam, wenn ich im Bett lag, unfähig, irgend etwas zu bewegen außer den Augäpfeln. Ich war in Quarantäne auf unserer Farm, mit sieben Schwestern, einem Bruder, den beiden Eltern und einer Krankenschwester. Und wie sollte ich mich selbst unterhalten? Ich begann, die Menschen und meine Umgebung zu beobachten. Ich entdeckte bald, dass meine Schwestern Nein sagen konnten, wenn sie Ja meinten, und sie konnten Ja sagen und meinten Nein. Sie konnten einer anderen Schwester einen Apfel anbieten und ihn für sich behalten. Und ich begann, nonverbale Sprache und Körpersprache genau zu beobachten.

Ich hatte eine kleine Schwester, die gerade angefangen hatte zu krabbeln. Auch ich würde lernen müssen, aufrecht zu stehen und zu gehen. Und Sie können sich vorstellen, mit welcher Intensität ich meine kleine Schwester beobachtete, wie sie aus dem Krabbelstadium herauswuchs und dann zu stehen lernte. Du hast keine Ahnung, wie du selbst gelernt hast zu stehen. Du weißt nicht einmal, wie du laufen gelernt hast. Und du glaubst, du kannst sechs Häuserblocks lang auf einer geraden Linie gehen - ohne störende Fußgänger oder Autoverkehr? Du weißt nicht, dass du niemals auf einer geraden Linie mit einer gleichmäßigen Geschwindigkeit gehen kannst.

Du weißt nicht, was du tust, wenn du gehst. Du weißt nicht, wie du aufstehen gelernt hast. Du hast es gelernt, indem du mit der Hand hochgegriffen und dich hochgezogen hast. Da lag der Druck auf den Händen, und dann entdecktest du zufällig, dass du Gewicht auf deine Füße verlagern konntest. Das ist wahnsinnig kompliziert, denn deine Knie gaben immer nach, und wenn sich deine Knie gerade hielten, dann gaben deine Hüften nach. Dann überkreuzten sich deine Füße, und du konntest nicht aufstehen, weil sowohl Knie als auch Hüften immer nachgaben.

Deine Füße waren über Kreuz, und du lerntest rasch, sie weit auseinander zu setzen, und du ziehst dich hoch und musst lernen, wie man die Knie gerade hält. Eins nach dem anderen, und sobald du das gelernt hast, musst du lernen, dich darauf zu konzentrieren, die Hüften gerade zu halten. Und dann hast du festgestellt, dass du lernen musstest, auf gerade Hüften und Knie und gleichzeitig auf weit auseinandergesetzte Füße zu achten. Nun konntest du endlich stehen. Die Füße weit auseinander, aufgestützt auf deine Hände.

Dann kam die Lektion in drei Stufen: du verteilst dein Gewicht auf die eine Hand und deine beiden Füße. Diese Hand stützt dich überhaupt nicht (Erickson hebt die linke Hand). Es ist wirklich harte Arbeit - bis du es schaffst, gerade zu stehen, mit deinen geraden Hüften, geraden Knien, die Füße weit auseinander, während du diese Hand (die rechte Hand) fest aufstützt. Dann entdeckst du, wie du deine Körperbalance verändern kannst. Du veränderst deine Körperbalance, indem du deinen Kopf wendest, deinen Körper drehst. Du musst lernen, alle Veränderungen der Körperbalance zu koordinieren, wenn du deine Hand, deinen Kopf, deine Schultern, deinen Körper bewegst; und dann musst du dasselbe noch einmal mit der anderen Hand lernen. Dann kommt die unglaublich schwierige Aufgabe zu lernen, wie man beide Hände hochnehmen kann, und wie man die Hände in alle Richtungen bewegen, und wie man sich auf die solide Basis der beiden weit auseinanderstehenden Füße verlassen kann. Und indem du die Hüften und die Knie gerade hältst und deine Aufmerksamkeit davon abtrennst, kannst du dich deinen Knien, deinen Hüften, deinem linken Arm, deinem rechten Arm, deinem Kopf und deinem Körper zuwenden.

Und wenn du schließlich geschickt genug warst, hast du versucht, auf einem Fuß zu balancieren. Das war eine teuflisch schwere Angelegenheit!

Wie hält man seinen gesamten Körper mit geraden Hüften, geraden Knien und fühlt gleichzeitig Hand-, Kopf- und Körperbewegungen? Und dann hast du einen Fuß nach vorn gesetzt und den Schwerpunkt deines Körpers verlagert! Deine Knie gaben nach - und du hast dich hingesetzt! Du bist wieder aufgestanden und hast es noch einmal versucht. Und schließlich hast du gelernt, wie du einen Fuß nach vorn bringst und einen Schritt machst, und das schien ganz gut zu sein. Und so hast du es wiederholt - und es hat Spaß gemacht. Dann der dritte Schritt - mit demselben Fuß - ... und du bist hingefallen. Du hast lange gebraucht, um rechts und links und rechts und links und rechts und links abzuwechseln. Nun konntest du mit den Armen schwingen, den Kopf wenden, rechts und links gucken und geradeaus gehen und brauchtest kein bisschen Aufmerksamkeit mehr auf die geraden Knie und die geraden Hüften zu wenden.

Lehrgeschichten von Milten H. Erickson

 

 

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