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Gedichte

 

Ich bin eine Blume zu Sharon
und eine Rose im Tal.

Wer mich suchet, der leidet.
Wer mich findet, der schweiget.
Wer mich benützt, tut es ungenannt.

Ich bin eine Blume zu Sharon
und eine Rose im Tal.

Prima Natura bin ich genannt.
Von Gott dem Menschen zu Diensten gesandt.
Einfältig, gerecht, beständig und fein,
äußerlich groß, inwändig klein.

Ich bin eine Blume zu Sharon
und eine Rose im Tal.

Wer mich kennt, hälts geheim.
Meinen Schatz verbirg, machs nicht gemein.
Meine Kinder mich nicht nennen,
obwohl sie meinen Namen kennen.

Ich bin eine Blume zu Sharon
und eine Rose im Tal.

                                                                     "Geheime Zeichen der Rosenkreuzer"

 

 

 

Auch das ist Kunst, ist Gabe Gottes:
aus ein paar sonnenhellen Tagen,
sich soviel Licht ums Herz zu tragen,
dass, wenn der Sommer längst verweht,
das Leuchten immer noch besteht.

                                                                    Johann Wolfgang von Goethe

 

 

 

Meinem Stern folgen,
vertrauend, hoffend,
mit offenen Sinnen,
unterwegs bleiben.

Meinem Stern folgen,
auch wenn mir der Weg
zu lang, zu mühsam,
zu schwierig scheint.

Meinem Weg folgen
und so meine Aufgabe erfüllen,
mein Ziel erreichen,
neu leben.

                                                                    Max Feigenwinter

 

 

 

Lausche auf das Wunder:
wie wunderbar:
da draußen stehen wie drinnen.
Begreifen und umgriffen werden,
schauen und zugleich das Geschaute selbst sein,
halten und gehalten werden,
das ist das Ziel:
wo der Geist in Ruhe verharrt, -
der lieben Ewigkeit vereint.

                                                                     Meister Eckhart

 

 

 

Wenn du aufgebrochen bist, -
tanz!

Wenn du den Verband heruntergerissen hast,
tanz!

Mitten in der Schlacht,
tanz!

Tanze in deinem Blut!

Wenn du vollkommen frei bist, tanz!

                                                                    Mevlana Dschelaluddin Rumi

 

 

 

Durch alle Wesen reicht der eine Raum.
Weltinnenraum. Die Vögel fliegen still
durch uns hindurch. O, der ich wachsen will,
ich seh hinaus, und in mir wächst der Baum.

Ich sorge mich, und in mir steht das Haus.
Ich hüte mich, und in mir ist die Hut.
Geliebter, der ich wurde: An mir ruht
der schönen Schöpfung Bild und weint sich aus.

                                                                      Rainer Maria Rilke

 

 

 

Glück ist ...

... Wärme, wenn es kalt ist,
... weißer Meeresstrand, 
... Ruhe, die im Wald ist,
... eines Freundes Hand.

Glück ist eine stille Stunde,
Glück ist auch ein gutes Buch,
Glück ist Spaß in froher Runde,
Glück ist freundlicher Besuch.

Glück ist niemals ortsgebunden,
Glück kennt keine Jahreszeit,
Glück hat immer den gefunden,
der sich seines Lebens freut.

                                                                      Clemens von Brentano

 

 

Wir müssen immer wieder uns begegnen
und immer wieder durch einander leiden,
bis eines Tages wir das alles segnen.

An diesem Tage wird das Leiden weichen,
das Leiden wenigstens, das Blindheit zeugte,
das uns wie blinden Wald im Sturme beugte.

Dann werden wir in neues Ziel und Leben
wie Flüsse in ein Meer zusammenfließen,
und kein Getrenntsein wird uns mehr verdrießen.

Dann endlich wird das "... suchet nicht das Ihre"
Wahrheit geworden sein in unsern Seelen.
Und wie an Kraft wird's uns an Glück nicht fehlen.

                                                                      Christian Morgenstern

 

 

 

 

Des Menschen Seele
gleicht dem Wasser:
vom Himmel kommt es,
zum Himmel steigt es,
und wieder nieder
zur Erde muss es -
ewig wechselnd.

Seele des Menschen,
wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
wie gleichst du dem Wind.

                                                                      Johann Wolfgang von Goethe

 

 

 

 

Mein sind die Jahre nicht,
die mir die Zeit genommen,
mein sind die Jahre nicht,
die etwa möchten kommen.
Der Augenblick ist mein,
und nehm ich den in acht,
so ist der mein, der Jahr
und Ewigkeit gemacht.

                                                                      Andreas Gryphius

 

 

 

 

Die Schönheit einer Blüte,
ihre Farbe, ihr Duft,
die zarten, fast durchscheinenden Blätter -
ein Hauch,
verletzlich.
Wahre Schönheit
schließt Vergänglichkeit ein
und gibt doch eine Ahnung
von der Ewigkeit,
dem Beständigen,
ohne das sie nicht wäre.

Wie oft habe ich gewünscht,
einen Augenblick meines Lebens
für immer festhalten zu können!
Die Uhren anhalten,
den Lauf der Zeit unterbrechen,
damit alles so bleibt,
wie es mir lieb und vertraut ist.

Das Leben kann niemand anhalten,
so wenig wie einen Fluss
oder die Wellen des Ozeans.
Der Fluss ist nicht mehr, was er war,
wenn sein Wasser zu fließen aufhört.
Das Leben erstarrt,
wenn man es festhält.
Meine Seele ist so lebendig,
dass sie nirgendwo anhaften
oder sich ausruhen will.
Immer flieht sie
aus den unendlichen Formen der Welt,
um im Ewigen, Unbegrenzten
zu Hause zu sein.

                                                                      ZEN-Buddhismus

 

 

 

 

Leben meines Lebens, immer will ich mich bemühen,
meinen Körper rein zu halten, wissend,
dass auf allen meinen Gliedern die Berührung
Deiner Hände liegt.

 

Immer will ich mich bemühen, meinem Denken fernzuhalten
jede Art von Lüge, wissend, dass das Licht
vernünftigen Denkens, das Du in mir entzündet
Deinen Namen trägt.

 

Immer will ich mich bemühen, aus dem Herzen
alles Böse auszutreiben, in Blüte halten meine Liebe,
wissend, dass Du Deinen Sitz im tiefsten Schreine
meines Herzens hast.

 

Und es sei mein ganzes Streben, Dich in meinem
Tun zu offenbaren, wissend, dass es Deine Macht ist,
die mir Kraft zu handeln gibt.

                                                                      Rabindranath Tagore, Gitanjali                                                                                   

 

 

 

 

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

                                                                      Rainer Maria Rilke

 

 

 

Die Bärenraupe

Keine Chance. Sechs Meter Asphalt.
Zwanzig Autos in einer Minute.
Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk.

Die Bärenraupe weiß nichts von Autos.
Sie weiß nicht, wie breit der Asphalt ist.
Weiß nichts von Fußgängern, Radfahrern, Mopeds.

Die Bärenraupe weiß nur, dass jenseits
Grün wächst. Herrliches Grün, vermutlich fressbar.
Sie hat Lust auf Grün. Man müsste hinüber.

Keine Chance. Sechs Meter Asphalt.
Sie geht los. Geht los auf Stummelfüßen.
Zwanzig Autos in der Minute.

Geht los ohne Hast. Ohne Furcht. Ohne Taktik.
Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk.
Geht los und geht und geht und geht und kommt an.

                                                                      Rudolf Otto Wiemer

 

 

 

Über Nacht, über Nacht
kommen Freud´ und Leid,
und eh´du´s gedacht,
verlassen dich beid´
und gehen,
dem Herrn zu sagen,
wie du sie getragen.

                                                                      Julius Sturm         

 

 

 

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